Gesamtaussage des Vorstands zur wirtschaftlichen Lage

2016 war ein turbulentes Jahr, geprägt von zum Teil unerwarteten geopolitischen und wirtschaftlichen Entwicklungen und Ereignissen. Nationalistische und protektionistische Tendenzen nahmen weltweit zu. Die Entscheidung Großbritanniens, die Europäische Union zu verlassen, oder der angekündigte wirtschaftspolitische Kurs nach dem überraschenden Wahlausgang in den USA sind nur zwei Beispiele für diesen besorgniserregenden Trend. Darüber hinaus sind die Konflikte im Nahen Osten weiter ungelöst, der Putschversuch in der Türkei stürzte das Land in eine tiefe Krise und mit der Verlängerung der Russland-Sanktionen zeichnet sich auch in dieser Region zunächst keine Entspannung ab. In Europa stehen in einigen großen Ländern Wahlen mit unklarem Ausgang bevor, Italien litt unter der Regierungs- und Bankenkrise. In dieser Gemengelage aus unterschiedlichen Belastungen und Risiken nahm die Unsicherheit der Marktteilnehmer spürbar zu. Als Folge blieb die Investitionstätigkeit in den Industrieländern gering und die Wachstumsdynamik in den Schwellenländern flachte ab. Die Devisenmärkte waren äußerst volatil, zahlreiche Währungen werteten gegenüber dem Euro ab. Die am Jahresbeginn noch allgemein erwartete Belebung der Konjunktur blieb aus. Diese unterschiedlichen Einflussfaktoren wirkten sich auch auf die Entwicklung einzelner, für die Wilo Gruppe wichtiger Märkte zum Teil deutlich negativ aus.

Unter Berücksichtigung dieses schwierigen, unsicheren politischen und gesamtwirtschaftlichen Umfelds beurteilt der Vorstand der Wilo Gruppe den Geschäftsverlauf 2016 insgesamt als gut. Die Wilo Gruppe hat flexibel mit forcierten Vertriebsmaßnahmen und Kostenanpassungen auf diese Herausforderungen reagiert und ist erneut profitabel gewachsen – das siebte Jahr in Folge. Währungsbereinigt betrug das Umsatzwachstum 3,9 % und lag damit leicht unterhalb der für das Berichtsjahr ursprünglich erwarteten Steigerung von bis zu 5 %, die auf der Annahme einer Konjunkturbelebung und stabiler Währungsbedingungen basierte. Die Abwertung zahlreicher für die Wilo Gruppe wichtiger Währungen reduzierte das Umsatzwachstum in Konzernwährung auf ein Plus von 0,8 %.

Die Region Asia Pacific war erneut Wachstumsmotor der Wilo Gruppe. Hier wurde ein Umsatzplus in Konzernwährung von 4,4 % erzielt. In China und Korea wurde die Geschäftstätigkeit deutlich ausgeweitet. Somit konnten die im Wesentlichen durch die Schwäche des industriellen Sektors bedingten Umsatzrückgänge in Indien und Südostasien mehr als ausgeglichen werden.

Auch in Europa bietet sich ein differenziertes Bild. Hier bewegten sich die Umsatzerlöse in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Die Zuwächse in den deutschsprachigen Ländern, im Mittelmeerraum und in Skandinavien konnten die rückläufigen Umsatzerlöse in Frankreich, den osteuropäischen Staaten und währungsbedingt auch in Großbritannien nahezu kompensieren.

Die Region EMEA ist krisengeschüttelt, wenngleich insbesondere die wirtschaftliche Entwicklung der Wilo Gruppe in Russland durchaus positiv war. So konnte die gute Marktposition weiter ausgebaut und ein hohes Umsatzplus in lokaler Währung erzielt werden. Die Geschäftsaktivitäten in der Türkei bewegten sich in lokaler Währung trotz widriger Umstände auf Vorjahresniveau.

Die Profitabilität der Wilo Gruppe, gemessen anhand der EBIT-Marge, blieb hinter den Erwartungen vom Jahresanfang 2016 zurück und verringerte sich von 9,2 % auf 8,1 %. Dies ist jedoch im Wesentlichen auf eine konsequente antizyklische Initiierung bzw. Fortführung von strategisch wichtigen wachstumsorientierten und zukunftssichernden Investitionen und Projekten zurückzuführen. Ziel ist es, mittel- bis langfristig die angestrebte Beschleunigung des profitablen Wachstums zu sichern. Zudem wirkten sich Verschiebungen im Produktabsatzmix dämpfend auf die Marge aus. Insofern ist die erzielte Profitabilität dennoch als gut zu bezeichnen.

Strategisch ist eine gezielt ausgeweitete internationale Marktpräsenz von großer Bedeutung für die Wilo Gruppe. Mit einer weitreichenden regionalen Diversifizierung beabsichtigt das Unternehmen unterschiedliche Trends, Schwankungen und Risiken in einzelnen Ländern und Regionen auszubalancieren und sich ergebende Chancen gezielt zu nutzen. Gerade in einer Zeit mit großen konjunkturellen Herausforderungen, eskalierenden Krisen und stetig wachsender Unsicherheit ist das ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Die Geschäftsentwicklung im Berichtsjahr ist ein klarer Beleg für die hohe Relevanz dieses strategischen Ansatzes. Die Umsatzentwicklungen in den einzelnen Regionen verdeutlichen, dass die Wilo Gruppe in der Lage ist, externe Belastungen und Risiken in einzelnen Ländern sowohl durch eine gute Marktbearbeitung vor Ort zu begrenzen als auch durch starkes Wachstum in anderen Ländern auszugleichen.

Ein weiteres strategisches Ziel der Wilo Gruppe ist es, ihre Innovations- und Technologieführerschaft zu stärken und damit ein nachhaltiges, profitables Wachstum auch in der Zukunft sicherzustellen. Die Gesamtaufwendungen für Forschung und Entwicklung einschließlich aktivierter Entwicklungskosten wurden 2016 im Vergleich zum Vorjahr leicht erhöht. Mit 65,0 Mio. EUR betrugen sie 4,9 % vom Umsatz. Nie zuvor hat die Wilo Gruppe mehr Mittel für Forschung und Entwicklung bereitgestellt. Auch 2016 konnten wichtige neue Produkte zur Marktreife entwickelt werden. Ein Beispiel ist die Wilo-Stratos MAXO, die auf der Weltleitmesse ISH im März 2017 vorgestellt wird und neue Maßstäbe hinsichtlich Systemeffizienz, Kommunikationsfähigkeit und Konnektivität sowie Bedienerfreundlichkeit setzt.

Unabhängig von kurzfristigen Konjunkturschwankungen setzt die Wilo Gruppe auf langfristig relevante Megatrends. Investitionen, die sich daran orientieren und das strategische Ziel des nachhaltig profitablen Wachstums sichern, werden auch in herausfordernden Zeiten fortgeführt – so auch im Berichtsjahr: Die Investitionen übertrafen den bisherigen Rekordwert des letzten Geschäftsjahres. 2016 investierte die Wilo Gruppe 109,5 Mio. EUR. Die Investitionstätigkeit war ausgerichtet auf die Weiterentwicklung neuer Fertigungstechnologien sowie den Neu- und Ausbau von Vertriebs- und Produktionsstandorten. Am Hauptsitz in Dortmund baut Wilo im Rahmen des strategischen Standortprojekts in den nächsten Jahren unter anderem eine hochmoderne Produktionsstätte. Die Fertigung wird vollständig neu konzipiert, um einen Meilenstein im Rahmen der digitalen Transformation und Industrie 4.0 zu setzen. Wilo unterstreicht damit die besondere Bedeutung Dortmunds als High-Tech-Standort.

Trotz der gestiegenen Aufwendungen für die Forschung und Entwicklung und den höheren Investitionen wurde im Berichtsjahr erneut ein deutlich positiver Free Cashflow in Höhe von 24,2 Mio. EUR erwirtschaftet und damit der Vorjahreswert übertroffen. Das zeigt die starke Eigenfinanzierungskraft des Unternehmens. Darüber hinaus ist die Bilanzstruktur weiter verbessert worden, die Eigenkapitalquote stieg von 49,3 % auf 53,6 %. Auch dies unterstreicht die erfolgreiche Umsetzung der Strategie und die hohe Flexibilität der Wilo Gruppe.

Zusätzlich zum organischen Wachstum setzt Wilo auch auf M&A-Transaktionen, die das Unternehmen stärken und sowohl Wachstum als auch Profitabilität zukünftig weiter voranbringen. Durch den Erwerb der GVA Gesellschaft für Verfahren der Abwassertechnik mbH & Co. KG im Jahr 2016 hat Wilo ihre Aktivitäten im Abwasserbereich ausgebaut und ihre Applikationskompetenz erhöht.

Mit der zur Ambition 2020+ überarbeiteten Unternehmensstrategie hat der Vorstand die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt. Wilo will unabhängig bleiben und beschleunigt profitabel wachsen. Die Themenfelder Wachstum und Digitalisierung wurden 2016 noch enger und konkreter in die Unternehmensstrategie eingebunden. Dazu hat der Vorstand acht Wachstumsinitiativen festgelegt und 2016 bereits auf den Weg gebracht. Zudem hat der Vorstand den klaren Anspruch formuliert, Wilo zum digitalen Pionier der Pumpenbranche zu führen. Die Wilo Gruppe verfolgt dazu das Ziel, sowohl mit innovativen digitalen Produkten ausgewählter Partner und Problemlöser für ihre Kunden zu sein als auch mit der Digitalisierung der eigenen Wertschöpfungskette Maßstäbe zu setzen. 2016 ist die Wilo Gruppe diesbezüglich spürbar vorangekommen. Das zeigen sowohl die Fortschritte in der digitalen Transformation des Unternehmens als auch die am Markt erfolgreichen innovativen Konzepte und Produkte. Mit der Wilo-Stratos MAXO wird die Wilo Gruppe den Anspruch, digitaler Pionier der Pumpenbranche zu sein, weiter untermauern.

Der Vorstand schätzt die wirtschaftliche Lage der Wilo Gruppe als sehr stabil und nachhaltig ein. Diese Einschätzung beruht auf den Ergebnissen des Konzernabschlusses und des Einzelabschlusses 2016 der WILO SE und berücksichtigt den Geschäftsverlauf bis zum Zeitpunkt der Aufstellung des Konzernlageberichts 2016. Die Geschäftsentwicklung zu Beginn des Jahres 2017 entspricht zum Zeitpunkt der Aufstellung dieses Konzernlageberichts den Erwartungen des Vorstands.

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