Branchenwirtschaftliche Rahmenbedingungen

Neben der allgemeinen volkswirtschaftlichen Entwicklung einzelner Staaten und Regionen wird die wirtschaftliche Entwicklung der Wilo Gruppe im besonderen Maße durch die Bau- und Sanitärwirtschaft beeinflusst. Die voraussichtliche künftige Entwicklung dieser Branchen wird im Folgenden dargestellt. Die länderspezifische Abgrenzung der Regionen ist an die Segmentberichterstattung der Wilo Gruppe angelehnt.

Fortgesetzter breiter Aufschwung für die Bauwirtschaft in Europa

Das ifo Institut und das Branchennetzwerk Euroconstruct schätzen die Perspektiven für die Bauindustrie in Europa zwar noch positiv, aber zurückhaltender als zuletzt ein. Gründe sind die Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem beschlossenen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union, tendenziell steigende Zinsen und Unwägbarkeiten im Bankensektor. Für 2017 wird jetzt mit einem realen Wachstum der europäischen Bauproduktion von 2,1 % gerechnet (bisher: 2,7 %). Mit einem Zuwachs von 2,1 % verlangsamt sich das Wachstum in Westeuropa voraussichtlich, wobei die Bauwirtschaft außer in Großbritannien überall expandieren sollte. Für Frankreich, Spanien und Italien wird eine Belebung erwartet. Gestützt auf EU-finanzierte Projekte dürfte die Bauwirtschaft in Osteuropa um 3,5 % zulegen. Bis einschließlich 2019 unterstellt die Prognose europaweit positive Wachstumsraten im Wohnungs-, Wirtschaftsund Tiefbau sowie für die Gebäudemodernisierung und -instandhaltung. Mittelfristig sind in Europa weitere staatliche Fördermaßnahmen zur CO2-Einsparung wahrscheinlich. Damit dürften Investitionen zur Wärmedämmung sowie in die Modernisierung von Heizungs- und Klimaanlagen unterstützt werden.

Die Auftragssituation im deutschen Bauhauptgewerbe hat sich Ende 2016 weiter verbessert. Zudem stiegen laut Statistischem Bundesamt die Baugenehmigungen im Hochbau deutlich zweistellig an, sowohl für Wohnungen (Neubauten und Umbau bestehender Gebäude) als auch im Wirtschaftsbau. Die Milderung der Wohnungsknappheit in Ballungsräumen erfordert jedoch nennenswert höhere Investitionen in den Wohnungsbau. Das IfW erwartet, dass die Bauinvestitionen 2017 mit einem Anstieg um real 3,1 % dynamisch wachsen, wobei der Wirtschaftsbau nur nahezu stabil bleiben wird. Der öffentliche Bau dürfte mit einer Wachstumsrate von geschätzten 3,5 % erneut spürbare Impulse setzen. Größter Treiber für die Baukonjunktur bleibt das dominierende Segment, der Wohnungsbau, mit einem geschätzten Wachstum von 4,4 %.

Das ifo Institut und der Branchenverband VDS erwarten für die deutsche Sanitärbranche 2017 ein weiteres, wenn auch moderates Wachstum von gut 1 % auf über 24 Mrd. EUR. Die Heizungswirtschaft blickt ebenfalls positiv nach vorn. Wegen des hohen Durchschnittsalters der Heizungen sollte der Ersatzbedarf auch zukünftig einen Großteil der Nachfrage stellen. Laut dem Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie sind 67 % der 21 Millionen Wärmeerzeuger nicht effizient. Seit August 2016 gelten in Deutschland neue Fördermaßnahmen für die Modernisierung von Heizungsanlagen: Bis 2020 sollen jährlich der Austausch von zwei Millionen Pumpen und zusätzlich die Optimierung von 200.000 Heizungsanlagen gefördert werden. Die Kosten dafür werden mit maximal 30 % bezuschusst.

Infrastrukturinvestitionen stimulieren die Bauwirtschaft in Asien

Angesichts des Bevölkerungswachstums und der ungebremsten Urbanisierung steht China vor immensen langfristigen Herausforderungen zur Schaffung von Wohnraum und Arbeitsplätzen. Zudem erfordert die massive Umweltverschmutzung hohe Investitionen, auch in die Klima- und Wasserwirtschaft. Nach Schätzungen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) fließen jährlich Investitionen von etwa 37 Mrd. EUR allein in Chinas Wasserwirtschaft. Im Fünfjahresplan (2016–2020), der ein Bevölkerungsplus von 45 Mio. Einwohnern in den kommenden fünf Jahren unterstellt, wurden ehrgeizige Umweltschutzziele verankert. Dabei soll unter anderem der Wasserverbrauch in Relation zum Bruttoinlandsprodukt um 23 % sinken. Dies erfordert effiziente Technologien und eröffnet ausländischen Zulieferern von Filtern, Ventilen und Pumpen ein großes Potenzial. In diesem Bereich sind die Perspektiven für 2017 und darüber hinaus positiv. Dagegen dürfte der Wohnungsbau 2017 noch schwierig bleiben.

Für die indische Bauwirtschaft stehen die Weichen langfristig auf Wachstum. Die Urbanisierung hält an, bis 2030 werden voraussichtlich 40 % der Einwohner in Städten leben (heute: 32 %). Der Staat hat Projekte zur Minderung der Wohnungsnot und Schaffung von bezahlbarem Wohnraum initiiert. Zudem ist der Aufbau von 100 Smart Cities geplant. Darüber hinaus setzt Indien auf eine substanzielle Modernisierung der Infrastruktur. Allein für frisches Trinkwasser und die Abwasserbehandlung gibt es derzeit 20 laufende Großprojekte. Der Bedarf ist immens, die Infrastruktur marode: Die Hälfte des Trinkwassers versickert auf dem Weg zum Verbraucher, nur 10 % der Abwässer werden geklärt. Dennoch dürfte die Bauindustrie 2017 zunächst unter der Bargeldreform leiden. In der Vergangenheit flossen sehr große Mengen Bargeld in den Immobilienmarkt.

Nachdem die koreanische Bauwirtschaft im Vorjahr sprunghaft expandierte, wird sich das Wachstumstempo 2017 voraussichtlich abschwächen. Neben hohen Leerständen bei Bürogebäuden drohen durch den jüngsten Boom nun auch im Wohnungsbaubereich Überkapazitäten. Die hohe private Verschuldung dürfte die Entwicklung ebenfalls abbremsen. Die Notenbank schätzt, dass sich das Wachstum der Bauinvestitionen 2017 auf 4,3 % verlangsamt.

Die großen Länder Südostasiens forcieren den Ausbau der Infrastruktur. Indonesien hat den Entwicklungsplan für Energie, Wasser und Seeverkehr weiter aufgestockt. In Malaysia treiben staatliche Investitionen die Baubranche, wobei die Bautätigkeit im Hochbau abflaut. Thailand setzt mit dem Infrastrukturprogramm bis 2022 langfristig starke Impulse für den Verkehrssektor. Zudem gewinnt dort nachhaltiges und energieeffizientes Bauen, orientiert am US-Zertifikat LEED, an Bedeutung. Auch die Philippinen investieren massiv in die Infrastruktur, immer stärker auch in die Wasserwirtschaft. Damit bleiben die Perspektiven für den Bausektor in Südostasien langfristig positiv.

Bauwirtschaft in Russland vor leichter Erholung

Das Umfeld für Russlands Bauwirtschaft dürfte 2017 infolge der Sanktionen noch schwierig bleiben. Die Talsohle könnte aber durchschritten sein, zumal sich die Staatseinnahmen durch steigende Öl- und Gaspreise erhöhen sollten. Die Notenbank hat eine Lockerung der restriktiven Geldpolitik avisiert, sofern die zuletzt gesunkene Inflation bei 4 % verharrt. Dies könnte die Konditionen für Hypothekenkredite tendenziell verbessern. Die Bauwirtschaft sollte zum einen von staatlichen Großprojekten, wie dem Pipelinebau oder der Fußballweltmeisterschaft, gestützt werden. Zum anderen dürften die Direktinvestitionen ausländischer Unternehmen infolge der Politik zur Importsubstitution und Lokalisierung der Produktion stark ansteigen.

In der Türkei sind die Aussichten für 2017 wegen der politischen Lage extrem unsicher, so auch für die Bauwirtschaft. Hier könnte die Entwicklung jedoch vergleichsweise robuster sein als in anderen Bereichen. Trotz eines massiven Einbruchs im Vertrauensindex für die türkische Wirtschaft per Dezember 2016 blieb der Subindex Bau stabil. Zudem lagen die Baugenehmigungen bis Ende September über den niedrigen Vorjahresniveaus, und zwar um 5,0 % bei der Anzahl von Gebäuden und um 8,1 % bei der Anzahl von Wohnungen.

In Afrika ist das Umfeld auch 2017 risikobehaftet und unsicher. Aufgrund des sehr starken Bevölkerungswachstums und der ausgeprägten Urbanisierung, die massive Investitionen in den Wohnungsbau erfordern, bieten einzelne Länder und ausgewählte Projekte langfristig attraktive Chancen. Ein weiterer Treiber dürfte der immense Nachholbedarf im Bereich der Infrastruktur, insbesondere in der Trink- und Abwasserwirtschaft, sein.

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